Die Gründer der Eiszeit (v.l.n.r. Jakob und Elia Rauber)Natürlich natürliches Speiseeis, zusammen mit regionalen, biologisch angebauten Zutaten, alles fair gehandelt. Das sind die Grundpfeiler, auf denen die Brüder Elia und Jakob Rauber ihre Eismanufaktur namens „Eiszeit“ in der Weinbergstraße in Lahnau aufgebaut haben. „Man schmeckt einfach den Unterschied zwischen echter Vanille und künstlichen Aromen“ betont Jakob. Weit mehr als 80 Prozent der Eisdielen verwenden heutzutage Fertigmischungen, die nur noch mit Milch angerührt werden müssen. Ein Trend, den Elia und Jakob nicht unterstützen möchten. Echtes Handwerk und faire Preise für die ganze Wertschöpfungskette sind ihnen wichtig. Die Leidenschaft für das Unternehmertum entdeckte Jakob während seines Wirtschaftsstudiums in Koblenz und Michigan. „Besonders erfüllend ist das selbstständige Herangehen an tägliche Herausforderungen“ erklärt uns der charismatische Jungunternehmer. Das Geschäftsmodell zieht seine Kraft aus den Synergie- und Skaleneffekten der drei Vertriebskanäle: Business to Business, Catering und Filialverkauf. Wir sprechen mit Jakob über saisonale Abhängigkeit und Hürden beim Kauf regionaler Produkte.

Hallo Jakob, die erste Frage brennt mir ein bisschen unter den Nägeln. Zugegeben gibt es schon die ein oder andere Speiseeismanufaktur mit einem ähnlichen Namen wie eure.

Wie kam es zu der Entscheidung „Eiszeit“ bei der Namensfindung?
Wichtig war von uns zunächst, uns von Mitbewerbern abzugrenzen, die häufig nach italienischen Städten oder Gebieten benannt sind. Außerdem möchten wir mit dem Markennamen für uns wichtige Werte vermitteln. Diese sind erstmal natürlich, dass es Eis gibt. Außerdem ist es unserer Auffassung nach wichtig, sich gerade in der heutigen oft hektischen Zeit bewusst ein paar Minuten Zeit für Genuss herauszunehmen. Daher kam die „EISZEIT“ zustande.

Der Eisverkauf ist stark saisonabhängig. Heiße Sommer begünstigen eure Gewinne. Wie geht man mit diesem unternehmerischen Risiko um, und wovon lebt euer Geschäft im Winter?
Das stimmt. Die Saisonabhängigkeit ist in der Tat mit die größte Herausforderung, die wir zu meistern haben. Ganz herausbekommen wird man die Saisonabhängigkeit aus dem Eisgeschäft wohl nicht, das gibt das Produkt einfach nicht her. Es gibt allerdings zwei Punkte, an denen wir ansetzen, um das Thema zumindest einzufangen: Einerseits bauen wir im Vertrieb darauf, im Winter verstärkt private oder gewerbliche Weihnachtsfeiern anzusprechen. Das funktioniert mit speziellen Weihnachtssorten wie z. B. gebrannte Mandel oder Lebkuchen sehr gut. Auf der anderen Seite achten wir besonders darauf, unsere Produktionsprozesse schlank zu halten und diese gut zu planen. So können wir recht flexibel auf stark schwankende Nachfrage reagieren. Das hat sich bewährt: Im Hochsommer mussten wir noch nie einem Kunden mangels Kapazität absagen und im Winter beschäftigen wir trotzdem einen Großteil unserer Mitarbeiter weiter.

Ihr habt euch fairem, biologisch und regionalem Handel verschrieben. Wo liegen für euch die größten Hürden in dieser Strategie beim Einkaufsprozess?
Im Einkauf haben wir einen hybriden Ansatz. Wo es möglich ist, verwenden wir fair gehandelte regionale und biologisch angebaute Produkte. So kommen zum Beispiel alle Milchprodukte von der Bio-Gutsdomäne Selgenhof im Vogelsberg. Diese nachhaltig angebauten Zutaten machen mittlerweile ca. 80 Prozent unserer Zutaten aus, bei einigen Sorten wie z. B. Vanille sogar annähernd 100 Prozent. Das genügt leider noch nicht ganz für eine Zertifizierung. Die letzten 20 Prozent auch noch umzustellen, bringt in der Tat große Herausforderungen mit sich. Ein Beispiel: Für Schokoladeneis verwenden wir natürlichen Kakao ohne Zusatzstoffe und würden diesen gerne auf fair und biologisch angebauten Kakao umstellen. Leider ist der Weltmarkt für Bio-Kakao für dieses Jahr leergefegt und man bekommt bei unseren Lieferanten schlicht keinen Bio-Kakao mehr. Daher verwenden wir, wenn die Lieferfähigkeit gefährdet ist, einen hybriden Ansatz, sprich auch konventionell angebaute Produkte.

Kannst du uns ein bisschen mehr über euren Business to Business-Geschäftsbereich (BWB) erzählen? Welchen Anteil hat er an eurer Gesamtperformance?
Gerne. Mit unserem B2B-Zweig bedienen wir einerseits Kunden, die eine große Küche haben, aber kein Eis herstellen wollen oder können. Das sind oft Kunden aus der gehobenen Gastronomie oder auch aus der Gastronomie im weiteren Sinne, wie z. B. Cafés in Pflegeeinrichtungen. Auf der anderen Seite bedienen wir mit diesem Zweig auch den Einzelhandel. So arbeiten wir bisher mit zwei REWE-Märkten und einem EDEKA-Markt zusammen. Aktuell verantwortet dieser Bereich, obwohl er wesentlich jünger ist als das Catering, mehr als die Hälfte unseres Umsatzes. Wir werden den B2B-Bereich auch nächstes Jahr weiterhin ausbauen. Durch das Hinzukommen unseres Eiscafés in Lahnau rechnen wir damit, dass der B2B-Bereich trotz Wachstums am Ende einen Anteil von ca. 30 bis 40 Prozent am Umsatz haben wird.

Vielen Dank für deine Zeit Jakob. Kannst du uns noch einen Ausblick geben, welche größeren Projekte für die nächste Zeit bei euch anstehen?
Ich habe zu danken! Eben klang es ja schon einmal kurz an: Nächstes Jahr werden wir in Lahnau ein Eiscafé eröffnen. Dafür liegen wir gut im Zeitplan, der Innenausbau wird Mitte Dezember abgeschlossen sein. Nichtdestotrotz gibt es noch viel zu tun und der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Wir haben aber ein tolles und super-motiviertes Team und zusätzlich zahlreiche Unterstützer, daher sind wir überzeugt, dass wir auch diese Herausforderung gemeinsam gut meistern werden!