Innerhalb der vergangenen vier Wochen hat sich der Anteil der Unternehmen, die das Coronavirus oder die von ihm verursachte Pandemie auf ihrer Webseite erwähnen, um knapp vierzig Prozent erhöht. (Quelle: Unsplash/ Cory Checketts)Die aktuelle Corona-Krise schlägt sich auch auf den Internetseiten von in Deutschland ansässigen Unternehmen nieder. Innerhalb der vergangenen vier Wochen hat sich der Anteil der Unternehmen, die das Coronavirus oder die von ihm verursachte Pandemie auf ihrer Webseite erwähnen, um knapp vierzig Prozent auf zuletzt über 150.000 Unternehmen erhöht. Zu diesen Beobachtungen kommt eine Online-Auswertung von Unternehmensdaten der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) in Kooperation mit dem ZEW Mannheim, der Universität Salzburg, der Technischen Universität Berlin sowie der gemeinsamen Ausgründung von JLU und ZEW istari.ai.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erheben zweimal wöchentlich aktuelle Daten, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unternehmen in Deutschland zu untersuchen. Dazu werden mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Unternehmenswebseiten nach Nennungen der Corona-Pandemie durchsucht. Grundlage der Untersuchung sind 1,36 Millionen Webadressen von Unternehmen in Deutschland aus dem Mannheimer Unternehmenspanel.

Vor allem größere Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern thematisieren die Pandemie auf ihren Internetseiten. Im bundesweiten Vergleich zeigt sich außerdem ein Ost-West-Gefälle: In den neuen Bundesländern sowie in Bayern befinden sich weniger Unternehmen, die auf ihren Internetseiten auf die Corona-Pandemie eingehen, als in der übrigen Bundesrepublik. Der Zuwachs bei den Nennungen ist im Westen und Südwesten Deutschlands besonders ausgeprägt.

Die Studie konnte dank Künstlicher Intelligenz auch zeigen, in welchem Kontext die Corona-Pandemie erwähnt wird. David Lenz, Wissenschaftler an der Professur für Statistik und Ökonometrie an der JLU, Mitgründer von istari.ai und Mitautor der Kurzexpertise, erklärt: „Unsere Analyse hat bestätigt, dass schwerwiegendere Probleme vor allem für Unternehmen aus dem Gastgewerbe, dem Einzelhandel, den persönlichen Dienstleistungen und der Landwirtschaft eine große Rolle spielen.“

Eine der Besonderheiten der Auswertung auf der Basis einer Webdatenanalyse zu den Effekten der Corona-Pandemie auf Unternehmenseben ist die direkte Verfügbarkeit der Resultate. Klassische Ab- oder Umfragen zur Erhebung von Unternehmensdaten nehmen meist mehrere Monate in Anspruch, bis erste Ergebnisse vorliegen. „Dieser auf Webdaten und KI basierende Ansatz liefert in sehr kurzer Zeit aussagekräftige Ergebnisse für so viele Unternehmen, dass auch detaillierte regionale und branchenbezogenen Auswertungen möglich sind. Und dies mit einem vergleichbar geringen Aufwand, so dass zwei Erfassungen pro Woche möglich sind“, erklärt Prof. Dr. Peter Winker, JLU-Professor und Mitautor der Studie. „Ein vergleichbares Instrument wird in der Analyse von Unternehmensdaten bislang noch nicht eingesetzt.“