Teilnehmer*innen des diesjährigen iGEM-Teams sowie Vertreter*innen des siegreichen Marburger Teams von 2018 waren im Marburger Rathaus zu Gast, um mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (6. v. r.), dem Ersten Kreisbeigeordneten Marian Zachow (3. v. l.) und Dr. Frank Hüttemann, Fachdienst-Leiter der Wirtschaftsförderung im Landkreis (3. v. r.) über die Unterstützung der Wettbewerbs-Teilnehmer*innen zu sprechen.  (Foto: Simone Schwalm, Stadt Marburg)In der Universitätsstadt steckt Innovationskraft: Das haben jüngst Nachwuchswissenschaftler*innen aus Marburg bewiesen, die 2018 den Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs auf dem Gebiet der Synthetischen Mikrobiologie gewannen. Ihre Nachfolger*innen, das iGEM-Team 2019, schickt sich an, ebenso erfolgreich zu sein. Dabei stehen sie nicht nur vor wissenschaftlichen Herausforderungen, sondern auch vor finanziellen. Die Universitätsstadt Marburg und der Landkreis Marburg-Biedenkopf sichern Unterstützung zu.

„Das ist ein Projekt, das für die Region leuchtet“, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. Der OB hieß Vertreter*innen des iGEM-Teams 2019 gemeinsam mit dem Ersten Kreisbeigeordneten, Marian Zachow, und Dr. Frank Hüttemann, Fachdienst-Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises, im Rathaus willkommen. Das Team tritt beim diesjährigen iGEM-Wettbewerb an. „iGEM“ – das steht für „International Genetically Engineered Machine“. Es handelt sich um einen internationalen, studentischen Wettbewerb im Bereich der Synthetischen Biologie in Boston. Jedes Jahr nehmen Nachwuchswissenschafter*innen der Philipps-Universität und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie als Team daran teil – im vergangenen Jahr mit außerordentlich großem Erfolg. Sie setzten sich gegen rund 6000 Teilnehmende in 350 weiteren Teams durch und gewannen den Hauptpreis. „Marburg ist ein Stern am Himmel im Bereich der Synthetischen Biologie“, brachte es René Inckemann, einer der Betreuer für das diesjährige iGEM-Team, auf den Punkt.

Die Erkenntnisse, die die iGEM-Teams liefern, finden auch medial große Aufmerksamkeit – so erwähnte etwa die englischsprachige Wochenzeitung „The Economist“ das Sieger-Team von 2018 mehrfach, berichtete Teamleiterin Vinca Seiler. Zudem brächten Forschung und Wettbewerb auch Unternehmensgründungen hervor und hätten eine entscheidende Bedeutung für Marburg und die Region, wie Spies und Zachow betonten. „Wir sind eine innovative Region“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete. „Das dringt aber noch nicht genug nach außen.“

Die Studierenden stellten Spies, Zachow und Hüttemann ihr aktuelles Projekt für den diesjährigen Wettbewerb vor – und widmen sich einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: dem Klimawandel. Sie wollen mit ihrer Forschung ihren Anteil zu Umwelt- und Klimaschutz beitragen.

Dabei geht es zunächst darum, einen neuen Organismus anzuzüchten und ihn als „neues Laborhaustier“ zu etablieren, wie Maurice Mager vom iGEM-Team erläuterte. „Dabei handelt es sich um den am schnellsten wachsenden, Fotosynthese treibenden Organismus – die Blaualge (Cyanobaktrium) Synechococcus elongatus.“ Das schnelle Wachstum könnte die Forschung beschleunigen, führte der Studierende des Master-Studiengangs „Molecular and Cellular Biology“ aus. Darüber hinaus gehöre die Blaualge zu den sogenannten CO2-fixierenden Bakterien. Der Organismus kann Kohlendioxid aus der Atmosphäre nutzen, um daraus wirtschaftlich interessante chemische Stoffe herzustellen – etwa klimaneutrale Treibstoffe oder Bioplastik. In einem weiteren Schritt bemühen sich die Nachwuchsforscher*innen darum zu verstehen, wie der neu angezüchtete Organismus genetisch modifiziert werden kann. „Wir betreiben Grundlagenforschung und möchten quasi einen ‚Werkzeugkasten‘ für Gentechniker und auch andere iGEM-Teams entwickeln“, fasste der 22-Jährige zusammen.

Die Studierenden stehen jedoch nicht nur vor den wissenschaftlichen Herausforderungen, sondern auch vor finanziellen. Denn: „Laborkosten und Wettbewerbs-Teilnahme sind sehr aufwändig“, sagte Mager. Durch Sachspenden von Unternehmen bekommt das iGEM-Team das Gros seiner Verbrauchsmaterialien, die rund 25.000 Euro kosten. Was bleibt, ist der Aufwand für die Team-Teilnahme selbst – von weiteren rund 20.000 und 30.000 Euro.

Daher sprachen die Nachwuchswissenschafter*innen mit Spies, Zachow und Hüttemann auch darüber, wie eine zukünftige Förderung des Projektes nachhaltig realisiert werden könnte. „Stadt und Landkreis möchten Sie gerne unterstützen“, betonten der Oberbürgermeister und der Erste Kreisbeigeordnete. Beide besprachen mit den Studierenden Möglichkeiten der Unterstützung, etwa bei der Sponsoren-Suche oder einer Vereinsgründung. Die Studierenden streben an, Personen und Institutionen zu finden, die langfristig Interesse daran haben, die iGEM-Teams für mehrere Jahre zu fördern.

Die Stadt Marburg sowie die Initiative Biotechnologie und Nanotechnologie (IBiNa) haben die iGEM-Teams bereits finanziell gefördert. Stadt und IBiNA leisteten im vergangenen Jahr jeweils 2000 Euro zur Unterstützung der Ausrichtung des sogenannten iGEM-Meetups in Marburg, das Treffen der deutschen iGEM-Gruppen. Für die Teilnahme am internationalen Wettbewerb in Boston gab die Stadt Marburg einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro, iBiNa überreichte einen Sonderpreis in Höhe von 5000 Euro für den Gewinn des Marburger Teams. In diesem Jahr gibt es von der Stadt für die Wettbewerbsteilnahme einen Zuschuss von 2500 Euro, IBiNa unterstützt erneut mit 2000 Euro. Erstmals wird auch der Landkreis Marburg-Biedenkopf das Projekt mit 3000 Euro fördern. Darüber hinaus ist beabsichtigt, eine Podiumsdiskussion des iGEM-Teams organisatorisch zu unterstützen.