Mit der dualen Ausbildung ist Deutschland eindeutig Vorreiter und auch im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. (Quelle: Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen)„Die berufliche Bildung ist ein hochwertiger und praxisorientierter Weg in die Erwerbstätigkeit, der alle Möglichkeiten bis hin zum späteren Studium eröffnet. Mit der dualen Ausbildung, die Theorie und Praxis verbindet, ist Deutschland eindeutig Vorreiter und auch im internationalen Vergleich sehr erfolgreich. Das ist auch ein Verdienst der Kammern, der Ausbildungsbetriebe, der Gewerkschaften sowie der Städte und Gemeinden – kurz: unserer Bündnispartner beim Thema Ausbildung. Gemeinsam wollen wir das Erfolgsmodell der beruflichen Ausbildung in Hessen weiter stärken“, sagten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute in Wiesbaden anlässlich der Unterzeichnung des zweiten „Bündnis Ausbildung Hessen“.

Zu den Unterzeichnern und Bündnispartnern zählen neben dem Land Hessen die hessischen Industrie- und Handelskammern, die hessischen Handwerkskammern, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, die Vereinigung der Hessischen Unternehmerverbände e. V., der Verband Freier Berufe in Hessen, der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB-Bezirk Hessen-Thüringen) sowie der Hessische Landkreistag, der Hessische Städtetag und der Hessische Städte- und Gemeindebund. Das erste Bündnis Ausbildung war im März 2015 geschlossen worden. Das neue Bündnis vom 10. Januar 2020 gilt bis zum Jahr 2024.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der bei der Vorstellung des neuen Bündnisses nicht dabei sein konnte, ließ allen Beteiligten ausrichten: „Die Fortführung des Bündnisses ist mir sehr wichtig. Ich begrüße daher das neue Bündnispapier ausdrücklich und danke allen Partnern für ihren Einsatz im Sinne der Auszubildenden, der Ausbildungsbetriebe und des Wirtschaftsstandortes Hessen.“ Wirtschaftsminister Al-Wazir betonte nach der Unterzeichnung des Bündnispapiers: „In Hessen entscheiden sich endlich wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung als Einstieg ins Berufsleben und das ist für die hessische Wirtschaft enorm wichtig: Denn die Betriebe sind angewiesen auf qualifizierte junge Menschen. Das gilt nicht nur für große, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen, und das ist auch ein Erfolg unserer Vereinbarung von 2015. Die Bündnisarbeit hat hier wirklich gute Arbeit geleistet: Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist gestiegen und mehr junge Menschen finden einen Ausbildungsplatz. Das Bündnis Ausbildung Hessen war erfolgreich: Nach jahrelangem Rückgang der Auszubildendenzahlen ist es gelungen, in den letzten drei Jahren jeweils mehr neue Ausbildungsverträge abzuschließen als im Jahr davor“, so der Minister. Im Jahr 2017 waren es 37.725, im Jahr 2018 38.226 und im Jahr 2019 insgesamt 38.370 Ausbildungsverträge. „Alle, die junge Menschen in ihrem Betrieb ausbilden, und alle, die daran arbeiten, die Qualität der Ausbildung sowie die Ausbildungsbedingungen zu verbessern, übernehmen daher eine wichtige Aufgabe für die Zukunft und eine erfolgreiche hessische Wirtschaft.“

Kultusminister Lorz ergänzte: „Wer heute eine Ausbildung beginnt, hat nicht nur äußerst gute Chancen übernommen zu werden, sondern später auch hervorragende Gehalts- und Aufstiegsperspektiven, die vielfach mit denen von Hochschulabsolventen vergleichbar sind. Deshalb setzen wir uns in Hessen ausdrücklich für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung ein und informieren Schülerinnen und Schüler frühzeitig und gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern über die Möglichkeiten, die eine duale Ausbildung bietet.“ Die Bündnispartner wiesen heute in Wiesbaden auf eine Reihe von Errungenschaften hin, auf denen das neue Bündnis in den kommenden Jahren weiter aufbauen will. Dazu zählt das günstige Azubiticket, das die Ausbildung attraktiver macht. Hinzu kommt, dass die duale Ausbildung in Hessen die Türen zu allen Karrierewegen öffnet: So ist es bereits seit dem Wintersemester 2016/2017 möglich, bei gutem Ausbildungsabschluss auch ohne Abitur an hessischen Hochschulen zu studieren. Gut gemeistert hat Hessen zudem die Integration junger Flüchtlinge und Zuwanderer in eine Ausbildung. Eine große Aufnahmebereitschaft der Betriebe ging hier mit beispielhaften hessischen Landesinitiativen zur Sprachförderung und Begleitung wie dem zweiten Berufsschultag und der Initiative „Wirtschaft integriert“ Hand in Hand.

Gleichwohl sehen sich die Bündnispartner in der beruflichen Bildung in den nächsten Jahren auch weiterhin Herausforderungen gegenüber. Unternehmen in einigen Branchen haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Es gelingt trotz intensivierter beruflicher Orientierung an den allgemein bildenden Schulen noch nicht immer, junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildungsbiographie für die berufliche Bildung zu motivieren und letztlich alle ausbildungsinteressierten jungen Menschen in Ausbildung zu integrieren. 

Vor diesem Hintergrund wollen die Bündnispartner ihre gemeinsamen Anstrengungen fokussieren: Eine große Bedeutung hat weiterhin eine praxisnahe und frühzeitige berufliche Orientierung während der Schulzeit, damit junge Menschen angesichts einer Vielzahl von Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten den für sie richtigen Start ins Berufsleben finden und die Chancen einer beruflichen Ausbildung ergreifen. „Die wechselseitige Öffnung und Durchlässigkeit aller Bildungswege ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Dass eine Berufsausbildung auch den Weg zu einem Studium eröffnet, macht aber auch die Ausbildung attraktiver", erklärt Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. „Wir haben beruflich Qualifizierten mit gutem Abschluss den Zugang zu hessischen Hochschulen im Rahmen eines Modellversuchs eröffnet und wollen auch weiter Hürden zwischen den Bildungswegen beseitigen. Mit dem Dualen Studium existiert zudem in Hessen ein attraktiver praxisnaher Bildungsweg, der weiter ausgebaut werden soll.“

Die unmittelbare Überleitung in Ausbildung nach Schulende soll noch besser gelingen. Ein wichtiges Instrument für diese Optimierung der Übergangsprozesse ist die Weiterentwicklung der Landesstrategie OloV (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf), in der die Partner in den Regionen die Berufliche Orientierung, Ausbildungsvermittlung und Förderung im Übergangsbereich aufeinander abstimmen und miteinander verzahnen. So sollen Schülerinnen und Schüler Strukturen vorfinden, die sie noch wirkungsvoller bei ihrer beruflichen Orientierung und beim Ausbildungsstart unterstützen. „Wir werden weiterhin die „Optimierung lokaler Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf“ (OloV) unterstützen. Viele Landkreise und kreisfreie Städte nutzen unsere Ausbildungsbudgets und Förderungen für passgenaue Angebote für Benachteiligte und zur Verbesserung der rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit vor Ort für alle jungen Menschen im Übergang“, ergänzte Staatssekretärin Anne Janz vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration. „Ich bin davon überzeugt, dass über aktive OloV-Strukturen eine wesentliche Voraussetzung dafür gegeben ist, dass wir die jungen Menschen erreichen, die unsere Unterstützung brauchen.“ 

Die Ausbildungsintegration von jungen Menschen mit Migrationshintergrund sowie von jungen Menschen mit Startschwierigkeiten bleibt ein Handlungsfeld von wachsender Bedeutung. Mit flankierenden Ausbildungsbegleitungen und Ausbildungskostenzuschüssen für Betriebe soll auch jungen Menschen mit schwierigen Startvoraussetzungen ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss gelingen. Bereits etablierte Förderketten für Migrantinnen und Migranten mit Deutschförderung bis zum Ausbildungsabschluss sollen weiterentwickelt werden. Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an Ausbildungsprozesse, die Auszubildende auf eine digitale Berufswelt und Gesellschaft vorbereiten. Ein ganzes Bündel an Maßnahmen soll Auszubildende, Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen fit für die Digitalisierung machen. So werden Berufsschulen und überbetriebliche Bildungsstätten modernisiert und berufsübergreifende Zusatzqualifizierungen für Auszubildende angeboten.

„Die Ausbildung junger, engagierter Fachkräfte spielt für die Zukunft des hessischen Arbeitsmarktes eine entscheidende Rolle“, betonte Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit. „Junge Menschen müssen so früh wie möglich einen Einblick in die Arbeitswelt und deren vielfältige berufliche Möglichkeiten bekommen. Es ist unsere Aufgabe, dazu den entsprechenden Rahmen zu schaffen und sie auf ihrem Weg bestmöglich zu unterstützen, vor allem dann, wenn Probleme auftauchen. In vielen Branchen werden Fachkräfte zunehmend zur Mangelware. Entsprechend hoch stehen die Chancen für junge Menschen, mit einer dualen Berufsausbildung einen erfolgreichen und zukunftssicheren beruflichen Weg einzuschlagen.“

Heinrich Gringel, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern: „Für die kommende Laufzeit des neuen Bündnisses ist es uns besonders wichtig, dass wir gemeinsam den Stellenwert der Dualen Ausbildung wieder stärker in die Gesellschaft tragen und dort verankern, damit wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung gewonnen werden. Dazu ist es notwendig, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass Berufsorientierung an allen hessischen Schulen, also inklusive der Gymnasien, fester Bestandteil im Schulprogramm wird und tatsächlich auch Anwendung und Umsetzung findet. Der ausbildenden Wirtschaft und somit dem Wirtschaftsstandort Hessen täte es gut, wenn das Unterrichtsfach „Werken/Technik“ wieder als verpflichtendes Unterrichtsfach in den Fächerkanon der Sekundarstufe I und II an allen hessischen Schulen aufgenommen wird. Damit ist für unsere Schülerinnen und Schüler Berufsorientierung ganz praktisch und kontinuierlich erfahrbar.“

„Die Stärkung der Berufsschulen liegt uns allen am Herzen. Bis 2030 fehlen in Hessen laut Kultusministerkonferenz rund 1.200 Berufsschullehrende. Allein in diesem Jahr sind es schon 380. Wir brauchen dringend mehr Nachwuchs“, sagte Eberhard Flammer, Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages. „Gemeinsam arbeiten wir in diesem Bündnis daran, mehr Studierende für das Lehramt an beruflichen Schulen zu gewinnen. Die hessischen Berufsschulen sollen personell und digital besser ausgestattet werden.“

Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), erklärte: „Mit dem neuen Bündnis wappnen wir die Ausbildung in Hessen für neue Herausforderungen, ohne dabei die Dauerbrenner wie die Berufsorientierung oder den Übergangsbereich zu vergessen. Digitalisierung, Mobilität, Wohnen – darum müssen wir uns künftig noch intensiver kümmern, um die Ausbildung zukunftsfest und attraktiv zu halten. Hier liefert das Bündnis, und deshalb sind wir selbstverständlich und gerne wieder mit an Bord.“ Bei den Freien Berufen ist die Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch. „Die zunehmende Digitalisierung in den Praxen und Kanzleien lässt die Anforderungen an unsere Ausbildungsberufe steigen,“ stellte Dr. Karin Hahne, Präsidentin des Verbandes Freier Berufe in Hessen, fest. Sie begrüßte deshalb die im Bündnis Ausbildung vorgesehenen Maßnahmen der frühzeitigen beruflichen Orientierung an den allgemeinbildenden Schulen, um die Jugendlichen auf die neue Welt vorzubereiten.

„Wer die berufliche Bildung stärken will, muss sie für Jugendliche attraktiv gestalten. Das Stichwort ist Qualität – gute Fachkräfte gewinnt und hält man nur mit guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen“, so Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Wir werden uns in dieser Bündnisperiode insbesondere für Jugendliche mit Startschwierigkeiten einsetzen. Außerdem erwarten wir höhere Investitionen für unsere Schulen, insbesondere für die beruflichen Schulen, damit Bildung und Ausbildung mit der Digitalisierung Schritt halten können.“ „Auch 2019 haben die Städte, Landkreise und Gemeinden wieder enorm viele Ausbildungsstellen bereitgestellt, die zum Teil nicht nachgefragt wurden“, sagte Stephan Gieseler, Direktor des Hessischen Städtetages. „Daher muss es allen Beteiligten an diesem Bündnis ein großes Anliegen sein, insbesondere die Berufsorientierung zu optimieren. Dazu reichen die bisherigen Praktika nicht aus. Wir brauchen eine Werbung und Heranführung an die unterschiedlichen Berufsfelder in einem bisher nicht vorhandenen Ausmaß.“

Karl-Christian Schelzke, geschäftsführender Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, sagte: „Unser Ziel muss es sein, die duale Berufsausbildung vor allem im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Dafür ist es nötig, die Ausbildungen in Verwaltung, im Handwerk und örtlichen Gewerbe durch die mit Digitalisierung einhergehenden Anforderungen zu modernisieren. Eine attraktive Berufsausbildung ist strukturpolitisch ein Gewinn für die Gemeinden in der Fläche und insbesondere für unsere ländlichen Regionen. Daher ist die Fortsetzung des Bündnisses auch eine Zukunftsfrage für die kleineren und mittleren Kommunen in Hessen.“ „Die vielen Initiativen und Maßnahmen des ersten Bündnisses Ausbildung Hessen haben mit dazu geführt, dass sich in Hessen der Trend hin zu einer dualen Berufsausbildung wieder verstärkt hat. Dies haben die 21 hessischen Landkreise als Arbeitgeber sowie als Akteure der beruflichen Bildung und der Wirtschaftsförderung in der Region von Anbeginn unterstützt. Daher ist die jetzige Fortsetzung des Bündnisses durch alle Partner nur folgerichtig und zeitgemäß“, unterstrich der Geschäftsführende Direktor des Hessischen Landkreistages, Prof. Dr. Jan Hilligardt.